Grenzwertiger Betrug mit der Druckertinte

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Dass sich die Hersteller von Druckertinte ihr Erzeugnis gerne teuer bezahlen lassen, ist an sich keine Neuigkeit. Der NDR hat allerdings aufgeschlüsselt, wie der Beinahe-Betrug bei Tinten- und Tonerkartuschen genau funktioniert. Allzu gerne wird hier nämlich geschummelt, um den Kunden ein wenig tiefer in die Brieftasche greifen zu lassen.


Die unergründliche Trickkiste der Hersteller
Für die Unternehmen hinter der Druckertinte gibt es zahlreiche Möglichkeiten, „Gewinne zu optimieren“ – was im Endeffekt nichts anderes als grenzwertiger Betrug am Kunden ist. Zu den bei Tonerproduzenten gängigen Tricks zählen unter anderem folgende Punkte:

• Kein kompletter Füllstand
Gerade bei neu gekauften Druckern liegt häufig eine Tonerkartusche bei. Muss diese aber auch vollständig gefüllt sein? Nein, denken offenbar die Hersteller. Pegel zwischen 60 bis 80 % sind keine Seltenheit, ein baldiger Neukauf einer Kartusche ist daher unausweichlich.

• Falsche Seitenangaben
„Mit dieser Tonerkartusche drucken Sie 5.000 Seiten!“ Ja, möglicherweise, aber nur unter optimalen Bedingungen in den Testlaboren der Hersteller. In der echten Welt hat dieser Wert meist so viel Relevanz wie der Spritverbrauch bei Autoherstellern.

Aber warum greifen die Hersteller überhaupt zu diesen Tricks? Der Hauptgrund dürfte der nach wie vor hart umkämpfte Markt der Druckertinte sein. Von einem papierlosen Büro sind wir jetzt noch immer so weit entfernt wie vor 20 Jahren, als diese Utopie bereits durch die Nachrichten zog. Gerade in Behörden wird die E-Mail noch immer stiefmütterlich behandelt, der Drucker ist der einzige Ausweg. Es ist außerdem nicht absehbar, dass sich dieser Zustand ändern wird. Da Laserdrucker zu den leistungsfähigsten und vor allem schnellsten Druckern überhaupt zählen, werden sie vor allem in größeren Büros fast immer den Tintenstrahlmodellen vorgezogen – was den Profit mit Toner nur noch weiter in die Höhe katapultiert.
Was verkaufen die eigentlich?
Im Grunde genommen sind die Produzenten von Laserdruckern hauptberuflich Verkäufer von Druckertinte. Drucker werden zwar hergestellt und verkauft, aber Einsteigermodelle für Privatkunden gibt es bereits knapp oberhalb der 100-Euro-Grenze in ausreichender Qualität zu erstehen. Langfristig lässt sich damit kein großer Gewinn erzielen. Es verwundert daher nicht, dass hauptsächlich das Geschäft mit dem Toner die Bilanzen ankurbelt. Gleichzeitig wäscht hier eine Hand aber auch die andere: Der Drucker beispielsweise zeigt sehr häufig viel zu früh an, dass Toner nachgekauft werden muss. Im Bericht des NDR zeigt ein Beispiel, wie eine angeblich leere Tonerkartusche geöffnet wird.

In dieser Kartusche befinden sich 64 Gramm zusätzliches Tonerpulver, was noch problemlos auf die Seiten gebrannt werden könnte. 64 Gramm von diesem Pulver reichen aus, um etwa 3.000 Seiten mit Schwarzweißdruck zu versorgen. Die tatsächliche Kapazität fällt also etwa 60 % höher aus, was ein gewaltiger Wert ist. Wenn wir an dieser Stelle von durchschnittlichen Kosten in Höhe von 3,5 Cent pro Seite ausgehen, entspricht das restliche Tonerpulver in der Kartusche einem Wert von 105 Euro (und darin sind die Kosten für eine neue Tonerkartusche, welche der Drucker verlangt hat, noch nicht enthalten). Es handelt sich also gerade in Umgebungen mit einem hohen Druckvolumen ganz und gar nicht um kleine Beträge, die auf diese Weise pro Jahr zu viel ausgegeben werden. Ein wenig zur Wehr setzen können sich auch die Besitzer kleinerer Privatgeräte: Durch ein einfaches Schütteln der Kartusche können laut dem Computerfachmagazin c’t häufig noch einmal 10 % mehr Pulver herausgeholt werden.
Die Kommunikation mit den Herstellern
HP, Epson, Brother & Co. sind auf dieses Thema offensichtlich nicht gut zu sprechen. Der einfache Tipp in Form des Schüttelns beispielsweise benötigt erst einen langen E-Mail-Verkehr, bevor er beim Kunden ankommt. Übrigens sind die Hersteller von Toner nicht die einzigen Trickser: Im Bericht des NDR werden identische Tintenkartuschen im Wandel der Zeit gezeigt. Während fünf Jahre alte Modelle noch beinahe vollständig gefüllt waren, tragen dieselben Kartuschen jetzt nur noch etwa 60 % der Tinte von „damals“. Bei anderen Herstellern, in welchen die Tinte in Schwämmen gespeichert wird, reduziert das Unternehmen schlichtweg die Größe des Schwamms. Da der durchschnittliche Verbraucher eine Kartusche selten öffnen wird, bleiben diese Änderungen häufig unbemerkt.

In die Karten schauen lassen sich die Hersteller ungern: Häufig verdecken schwarze Folien die genaue Einsicht in eine Patrone, an anderer Stelle kann die Plastikkartusche nur mit hohem Kraftaufwand geöffnet werden. Beim E-Mail-Verkehr mit den Unternehmen bleibt eigentlich nur ein Kopfschütteln übrig: Der Kunde wünsche überhaupt keinen höheren Füllstand in Millilitern für seine Druckertinte. Wichtig sei einzig und allein die Reichweite einer Patrone, also die Seitenangabe auf den Verpackungen. Mit anderen Worten freuen sich die Kunden angeblich über weniger Tinte in ihrer Patrone – und ob das den Tatsachen entspricht, darf stark bezweifelt werden.
Irreführung durch Seitenanzahl
Weitere Ungereimtheiten erlaubt sich beispielsweise Kodak: Bei der Angabe der Seitenanzahl halten sich alle Hersteller an eine bestimmte ISO-Norm, damit eine Vergleichbarkeit zwischen den unterschiedlichen Druckern und Tintenpatronen (und auch Tonerkartuschen) gewährleistet ist. Kodak macht es anders:

• Bei diesem Hersteller wird die sogenannte Farb-ISO-Norm mit einer Schwarzweiß-ISO-Norm für Laserdrucker gemischt. Hier hält sich der Hersteller also höchstens an seinen eigenen Standard.

• Dadurch erzielt der Hersteller eine wesentlich höhere Reichweite, die so auch auf der Patrone aufgedruckt wird: 770 Seiten gibt Kodak bei einer Patrone mit einem Inhalt von zehn Millilitern an. Tatsächlich sind es aber nur 440 Seiten.

• Der Kunde kann diese Information nur dann auf eigene Faust erfahren, wenn er den genauen Fließtext auf der Verpackung der Druckertinte liest. Dieser ist erfahrungsgemäß in einer sehr kleinen Schriftart gehalten und geht daher häufig im Wirrwarr der Informationen unter – was wohl auch das Ziel des Herstellers sein dürfte.
Auch Kodak hat für dieses Verhalten selbstverständlich eine Erklärung: Demnach würde reiner Text – wie er nach der Schwarzweiß-ISO-Norm gedruckt wird – die bestmögliche Einordnung durch den Kunden erlauben. Farbdruck käme gerade in der Geschäftswelt zu selten vor. Mit diesem Verhalten gibt der Hersteller übrigens an, „mehr Transparenz schaffen zu wollen“, welche der Kunde in diesem „undurchsichtigen Markt“ sonst vermissen würde. Was genau transparent an einem winzigen Aufdruck auf der Rückseite einer Verpackung sein soll, bleibt wohl das Geheimnis des Herstellers.
Wie kann sich der Kunde wehren?
Einfach ausgedrückt: gar nicht. Rechtlich gesehen ist das, was die Hersteller der Druckertinte machen, absolut in Ordnung. Eine Alternative, die gerade für Privatnutzer in Frage kommt, ist die Anschaffung von Patronen und Tonerkartuschen von Drittherstellern. Diese sind wesentlich günstiger und oftmals nicht schlechter. Weiterhin hilft es, vor dem Kauf von Druckerpatronen eine technisch versierte Person aus dem Bekanntenkreis zu dem Thema zu befragen. In den sauren Apfel beißen müssen meist jedoch die Unternehmen: Dort ist ein Umsteigen auf Produkte von Drittanbietern häufig keine Option.

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